Hamburger Abendblatt

Erste Rechercheerfahrungen: Erst Skepsis – dann (oft) Unterstützung

18. März 2013

Der Aufwand ist im ersten Moment gar nicht zu erkennen. Herauszufinden, wo die rund 20 Produkte, an deren Ursprungsort ich in den kommenden Wochen reisen werde, herkommen, war dabei noch die leichteste Übung. Oft steht auf der Verpackung, wo das Produkt hergestellt wurde. Die Kölln-Haferflocken beispielsweise kommen aus Elmshorn, die Barilla-Spaghettini n.3 aus Parma in Italien. Dass das „nordeuropäische“ Nutella im hessischen Stadtallendorf produziert wird und die in Deutschland vertriebene Eiscreme von „Ben & Jerry’s“ im niederländischen Helledoorn in die Becher gefüllt wird, war im Gespräch mit den zuständigen Pressesprecherinnen rasch zu erfahren.

Auch die ersten Reaktionen auf die Idee unserer Geschichte reichten von „toll“ bis „spannend“. Wenn ich dann aber nach einem konkreten Besuchstermin in der jeweiligen Produktionsstätte fragte, wurde so mancher Gesprächspartner einsilbig. „Da muss ich erst mal im Unternehmen nachfragen“ oder „Ich melde mich in den nächsten Tagen“ waren eine häufige Antwort. Am lockersten ging es zu, wenn ich mit den „Produzenten“ direkt sprach. Der Bauer Kurt Schultz, der im schleswig-holsteinischen Nessendorf einen Eierhof betreibt, reagierte einladend: „Kommen sie, wenn es ihnen passt“, meinte er. Auch Bert Vogel, Chef des Farmbetriebs Hemo im niedersächsischen Emlichheim, – dort kommt unsere Hähnchenbust her – hatte keine Probleme mit einem Besuch.

EmmentalerManchmal ist das Herausfinden des Produktionsstandorts wie eine Schnipseljagd. Beim Emmentaler Käser beispielsweise hatte mir Edeka gesagt, ich solle bei der Firma Jöla anrufen. Dort wiederum gab man mir die Telefonnummer des Unternehmens Jäggle aus dem Süddeutschen. Der Großhändler wiederum verwies mich an das Schweizer Unternehmen Intercheese. Die wüssten garantiert, von welchem Hof unser Stück Emmentaler stamme. Die Bereitschaft meines Gesprächspartners bei Intercheese, mir zu helfen, ist hoch. Er fragt nach einer vierstelligen Nummer, die auf dem Etikett des Käses gedruckt sei. Mit dieser Nummer, in meinem Fall ist es die 3284, könne ich auf der Internetseite www.emmentaler.ch den Hof ausfindig machen, von dem der Käse stammt. Ich gebe also die Nummer ein und bekomme Adresse sowie Telefonnummer von Hansruedi Mumenthaler von der Käserei Weier angezeigt.

Grundsätzlich wird im Laufe der Recherche klar, dass Lebensmittelunternehmen sensibel auf Anfragen von Journalisten reagieren. Viele dürften den Versuch vermuten, dass wir den nächsten „großen Skandal“ aufdecken wollen. Es zeigt sich aber auch, dass Verständnis für das Bedürfnis der Verbraucher da ist, zu wissen, woher unser Essen kommt. Kurt Schultz, der von seinem Hof im Jahr fast eine halbe Million Eier nach Hamburg liefert meint: „Transparenz ist gut und nur derjenige, der das akzeptiert, wird künftig eine chance auf dem Markt haben.“ (os)

 

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