Hamburger Abendblatt

Das geheimste Geheimnis der Coca-Cola

10. April 2013

Das Produkt: ein Liter Coca-Cola. Herkunft: Mölln. Entfernung: 55 Kilometer

Der Sirupraum ist ein Tabu. Rein dürfen wir schon, aber Fotos zu machen, ist streng verboten. Der Sirupraum ist quasi das Allerheiligste des Coca-Cola-Standorts in Mölln, wo die braune Brause für Norddeutschland abgefüllt und vertrieben wird. Der Sirupraum hütet den Code der Coca-Cola, der sogar so geheim ist, dass ihn nicht einmal die Mitarbeiter hier kennen.

Es gehört zu den Mythen, die tatsächlich der Wahrheit entsprechen könnten. Denn auch wenn im Internet immer wieder behauptet wird, die Rezeptur von Coca-Cola sei entschlüsselt, hat den Beweis bislang noch niemand angetreten. Die Zutaten stehen natürlich auf der Flasche, sie lauten Wasser, Zucker, Kohlensäure, Lebensmittelfarbstoff E 150d (Zuckerkulör), Säuerungsmittel E338 (Phosphorsäure), Aroma, Aroma Koffein. Aber vor allem unter dem Unterpunkt »Aroma« ist absolut offen, welche Aromen eben in exakt welcher Zusammensetzung in einer Flasche sind. Selbst der Betriebsleiter in Mölln, Johannes Bleker, kennt die Rezeptur der Coca-Cola nicht. Zumindest behauptet er das.

Im Sirupraum stehen schlichte weiße Kanister, die aussehen wie Benzinkanister, dabei aber ungefähr hüfthoch sind. In ihnen ist er drin, der Coca-Cola-Grundstoff, der in Abfüllanlagen wie Mölln mit den anderen Zusatzstoffen vermixt wird. Wie viel Grundstoff in einem Kanister drin ist, ist ebenfalls ein Geheimnis. In Litern wird hier nicht gemessen, die Einheit wird pauschal mit »Units« angeben, was auf Englisch schlicht das Wort für »Einheit« ist. Wie viele »Units« sind also in einem Kanister? Kopfschütteln, Schweigen. Der mysteriöse Grundstoff für die Produktion in Europa wird nach strikter  Vorgabe in Irland hergestellt und von da aus an die nationalen Abfüller, die im Firmen-Jargon »Bottler« heißen, geliefert. In einem Tresor in der Zentrale der Coca-Cola-Company in der US-Stadt Atlanta, den sich auch Touristen (nur von außen) ansehen können, soll laut Legende der Code für die Cola liegen.

Im Sirupraum gibt es außerdem große Tanks aus Edelstahl, zudem ziehen sich eine ganze Menge Rohre und Schläuche durch den Raum. Der Boden ist wie überall gefliest, die Mitarbeiter hier tragen Kittel, Haarnetze und müssen beim Betreten der Räume Hände und Schuhe desinfizieren. Hier wird nichts dem Zufall überlassen. Coca-Cola ist in allen Ländern der Welt außer Kuba und Nordkorea erhältlich – und die Maßgabe ist, dass sie in jedem dieser Länder exakt gleich zu schmecken hat.

Die Dimensionen des Konzerns sind gewaltig: Coca-Cola ist die bekannteste Marke der Welt, die wertvollste Marke der Welt, keiner verkauft mehr alkoholfreie Getränke auf dem ganzen Planeten. Weltweit gibt es 700.000 Mitarbeiter, 2010 hat der Konzern 145 Milliarden Liter seiner Brausen, Wasser und Säfte verkauft. Was angesichts dessen schnell in den Hintergrund rückt: Trotz allem ist Coca-Cola gewissermaßen auch ein regionales Getränk. Was in Deutschland produziert wird, wird auch hier getrunken und von den 24 Produktionsbetrieben meist in die unmittelbare Region geliefert. Die Hamburger Cola hat, sofern sie aus Mölln kommt, gerade einmal 55 Kilometer hinter sich. Das Wasser stammt aus der Leitung, der Zucker aus Zuckerrüben aus dem Norden. Nur das mitdem Aroma, tja, ist eben so eine Sache. Die Seele der Coca-Cola bleibt Staatsgeheimnis.

Die ganze Reportage am Sonnabend, den 13. April.

von Nina Paulsen

P.S.: Die in dem Video von Johannes Bleker genannte Behauptung, Fleisch löst sich NICHT auf, wenn man es in Coca-Cola legt, habe ich nachgeprüft. Gestern Abend habe ich Kochschinken in Coca-Cola gelegt und heute Morgen nachgesehen. Hier das Ergebnis:

2 Reaktionen zu “Das geheimste Geheimnis der Coca-Cola”

  1. müller fraukeam 17. April 2013 um 06:25 Uhr

    Es ist für mich völlig unverständlich, dass zum thema – lebensmittel – über die herstellung von cola und gummibärchen geschrieben wird . frauke müller l

  2. Nina Paulsenam 17. April 2013 um 09:09 Uhr

    Liebe Frau Müller,
    ich kann gut verstehen, dass Dinge wie Coca-Cola oder Gummibären für manche Menschen eine andere Wertigkeit haben als Naturprodukte wie Milch, Gemüse oder auch Fleisch. Allerdings sind gehören Coca-Cola und die Gummibären in ihrem Segement zum Marktführer – das heißt, ziemlich viele Menschen kaufen und konsumieren diese Produkte. Insofern glaube ich schon, dass bei einigen Interesse besteht.
    Da wir aber immmer sehr dankbar über Anregungen unserer Leser sind, freue ich mich, wenn Sie vielleicht eine Idee haben, worüber wir unbedingt noch berichten sollten?
    Viele Grüße
    Ihre
    Nina Paulsen

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