Hamburger Abendblatt

Über den Becherrand

20. April 2013

Hätte ich bei unserem Besuch bei Coca-Cola vor anderthalb Wochen schon gewusst, dass der Konzern auch DIESES Getränk im Portfolio hat, hätte ich definitiv danach gefragt: Inca Kola. Eine Brause gelb wie Benzin, ein Geschmack wie Hubba-Bubba-Kaugummi, erhältlich sogar als Zero-Variante ohne Zucker. „La kola dorada“ (die goldene Cola) sagen die Peruaner zu dem supersüßen Gesöff, das quasi das Nationalgetränk in dem Land ist. Mein Fazit nach dem Probieren: Mal was anderes.  Auf dem deutschen Markt hätte es die Inca Kola wohl eher schwer.

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A propos Peru: Seit gestern sind Abendblatt-Fotograf Marcelo Hernandez und ich zu Besuch in dem Andenstaat, genauer in der Stadt Piura im Norden nahe der Grenze zu Ecuador. Piura liegt von Hamburg exakt 10524,363 km Luftlinie oder gute 30 Reisestunden inklusive diverser Zwischenstops entfernt – dort, wo auf dieser Karte der blaue Punkt ist:

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Und genau diese Strecke, zu Wasser sogar noch mehr, legen nicht nur die Bio-Bananen in unseren Supermärkten zurück, sondern auch der Kaffee, den wir bei Edeka gekauft haben. Im Gebiet rund um Piura gibt es zum einen rund 6000 Plantagen, meist kleinste Familienunternehmen, die als Kooperative fair gehandelten Bio-Kaffee in alle Welt verkaufen. Zum anderen befindet sich hier das weltweit größte Anbaugebiet an Bio-Bananen. Obwohl die Bananen bei unserem Einkauf bei Edeka mit dem Herkunftsland Costa-Rica ausgeschildert waren, stammen sie tatsächlich von hier. Vermarkter ist „Agrofair“ aus den Niederlanden.

Piura selbst, soviel kann ich jetzt kurz nach der Ankunft sagen, ist eine quirlige Stadt, der man ihre 360.000 Einwohner kaum anmerkt. Hochhäuser gibt es offenbar gar nicht, im Stadtinneren dominiert der Kolonialstil, der Flughafen ist kaum mehr als eine Baracke mit einem einzigen, vielleicht acht Meter langem Gepäckband, das nach der Ankunft des Flugzeugs in einem kleinen Oval zirkuliert, so dass man sich unweigerlich fragt, warum die Koffer nicht einfach direkt auf den Boden gestellt werden. Draußen wirbeln die Reifen der Autos den trockenen Sand an den Rändern der Straßen auf, er vermischt sich in der heißen Luft mit Abgasen und dem permanenten Hupkonzert der Autos. Wer keines hat und nicht zu Fuß laufen will, winkt sich ein Mototaxi heran, was so viel ist wie ein Mofa mit drei Rädern und einem Dach drauf, ähnlich einer Rikscha.

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Zur Bananenplantage müssen wir morgen allerdings mit dem Jeep fahren. Es geht drei Stunden lang querfeldein in Richtung Anden. Ich wette, da trinken sie auch die Inca Kola.

von Nina Paulsen

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