Hamburger Abendblatt

Grießpudding für den Alltag

10. Juli 2013

Produkt: Landliebe-Griespudding. Ort: Heilbronn. Entfernung: 614 Kilometer

Landliebe13Rohre, Rohre, Rohre. Ein Mal, für einen kurzen Moment kann ich etwas von dem Landliebe-Grießpudding sehen: in dem Augenblick, in dem die cremefarbene, dickliche Flüssigkeit in den Puddingbecher fließt. Staccatoartig werden immer acht Becher gefüllt und dann weitergeschoben. Werksleiter Marcus Heil wirft einen prüfenden Blick auf die Maschine und nickt zufrieden.

„Der in Deutschland vertriebene Landliebe-Grießpudding wird in Heilbronn hergestellt“, sagt der Werksleiter. Rund 31,5 Millionen Becher verlassen jedes Jahr das Werk. Damit beträgt der Marktanteil von FrieslandCampina am deutschen Grießpuddingmarkt rund 30 Prozent. Das niederländische Unternehmen, zu der die Marke Landliebe gehört, ist hierzulande Marktführer.

Obwohl Grießpudding schon seit Jahrhunderten einen festen Platz in unserer Küche hat, ist die Nachfrage in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. „Grießpudding steht für ausgewogene Ernährung“, sagt Heil. „Vielen Menschen kennen Grießbrei aus ihrer Kindheit und haben ihn oft zu essen bekommen, wenn sie krank waren oder es ihnen schlecht ging.“

Landliebe22Hier in Heilbronn beginnt die Herstellung des Grießpuddings in mehreren hohen Silos. Milch, Zucker, Sahne und Grieß sind die einzigen Zutaten, ein Teil von ihnen wird in diesen Silos gelagert. Eben fährt ein mit Milch gefüllter Tanklastzug vor. Zu 73 Prozent besteht der Landliebe-Grießpudding aus Milch. „Wir arbeiten mit rund 700 Vertragslandwirten zusammen“, sagt Heil. Die Höfe liegen in einem Umkreis von 120 Kilometern.

Dem Unternehmen ist aber nicht nur wichtig, dass es Landwirte aus der angrenzenden Region sind. „Wir wollen keine Massentierhaltung und arbeiten deshalb vor allem mit Höfen zusammen, die sich in Familienhand befinden.“ Im Durchschnitt besitzen die Landwirte 60 bis 80 Milchkühe, berichtet Heil. Artgerechte Tierhaltung sei wichtig. „Die Tiere dürfen im Stall nicht angebunden sein und es muss Boxenlaufställe oder Flächen für den Weidegang geben“, sagt der Werksleiter.

Landliebe war nach eigenen Angaben die erste nationale Marke, die eine Fütterung der Milchkühe lediglich mit traditionellen Pflanzen und ein „Wohlfühlprogramm“ für die Tiere vorschrieb. Im Kern geht es dabei darum, dass die Milchkühe Bewegungsfreiheit habe, in einem großen Laufstall oder bei einem regelmäßigen Weidegang. Zudem werden die Bauern umfassend bei ihrer Betriebsführung unterstützt. Die Produkte selbst, so erklärt es das Unternehmen, werden sorgfältig und lückenlos „vom Gras bis ins Glas“ kontrolliert.

Darin sind sich Landliebe und FrieslandCampina im Übrigen mit anderen Unternehmen in den Niederlanden einig. So gibt es in unserem Nachbarland seit einiger Zeit eine Debatte über die artgerechte Haltung von Milchkühen. Der Eiscremhersteller Ben & Jerry’s beispielsweise arbeitet nur mit Landwirten zusammen, die nach dem von Hollands führender Agraruniversität Wageningen erarbeiteten Caring-Diary-Programm wirtschaften.

Artgerechte Tierhaltung umfasst auch dort beispielsweise regelmäßigen Weidegang und die Unterbringung der Milchkühe in einem großen Laufstall, wenn sie – im Winter beispielsweise – nicht auf die Weide können. Für jede Kuh gibt es eine eigene Box, in der sie auf einer Gummimatte liegen kann. Das Futter ist vornehmlich Heu. Wenn Mais verfüttert wird, dann haben die Bauern ihn selbst angebaut. Gentechnik ist tabu.

Landliebe05Es geht den Landwirten, die an dem Caring-Diary-Programm teilnehmen, nicht um Hochleistungskühe, die bis zu 12.000 Liter Milch im Jahr geben. 9000 Liter Milch weniger reichen auch. Zudem zahlt Ben & Jerry’s den Milchbauern faire Preise. Das tun Landliebe und FieslandCampina ebenfalls. „Wir garantiere den Landwirten einen festen Milchpreis, der über dem Marktpreis liegt“, sagt Heil. Gegenwärtig zahlen man 39,5 Cent pro Kilogramm. Zum Vergleich: iIm April lag der am Markt gehandelte Milchpreis bei 34,5 Cent pro Kilogramm.

„Durch den etwas höheren Preis sichern wir die hohe Qualität der Milch“, sagt der Werksleiter. Das Gras, das die Kühe zu fressen bekommen, wächst zum größten Teil auf Flächen, die die Landwirte selbst betreuen. „Zukäufe von Futter müssen zertifiziert sein. Wir verzichten beispielsweise auf Futtermittel aus Übersee, um die Transporte auf das nötigste zu beschränken und Gentechnik auszuschließen.“

Wir gehen durch die Produktionsanlage. Drei Meter hohe Tanks, deren Öffnung nur über einen Metallleiter erreichbar sind, säumen den Weg genauso wie überdimensionale Kessel, um die sich eine Heizschleife windet, durch die heißer Wasserdampf geblasen wird. „Wir können beim Herstellen des Puddings so stabile und gleichmäßig verteilte Temperaturen sicherstellen“, erzählt Produktionsleiter Friedrich G. Kappel. Wie genau der Grießpudding hergestellt wird, in welcher Zusammensetzung die Zutaten eingesetzt werden, das ist Betriebsgeheimnis.

Der Besuch bei Landliebe erinnert mich an Visiten bei anderen Lebensmittelunternehmen. Es ist eine Art der Produktion, die sehr viel Technik, einen hohen Automatisierungsgrad und ein geringe Zahl an Arbeitskräften auszeichnet. Der Prozess ist in wesentliche Herstellungsschritte unterteilt und – so scheint es – optimiert. Hinzu kommt, dass die Herstellung der Lebensmittel in verschlossene Räumen erfolgt: die Kessel sind nur über eine kleine Öffnung zugänglich, das Abfüllen des Puddings erfolgt hinter einer Plexiglasscheibe.

Hinzu kommt eine extrem hohe Kontrolldichte schon während des gesamten Produktionsprozesses. „Die Qualitätskontrollen finden natürlich auch von allen Endprodukten durch Stichproben statt und werden von unseren qualifizierten Mitarbeitern bewertet“, sagt Christina Schraml, Leiterin des Qualitätsmanagements. Dabei geht es um Aussehen, Konsistenz, Geruch und Geschmack.

Werksleiter Marcus Heil steht an einem Fließband, über das kartonweise mit Landliebegrießpudding gefüllte Becher geschoben werden. „Der Lebensmittelmarkt ist hart umkämpft“, sagt er. Die Konsumenten reagierten sensibel auf Preisveränderungen. Zwar ist der Landliebegrießpudding als ein hochwertiges Produkt, „für das die Menschen durchaus bereit sein, etwas mehr zu bezahlen“, sagt Heil. Aber auch der Werksleiter weiß, dass die Konkurrenz nicht schläft. „Von dem wachsenden Grießpuddingmarkt wollen alle etwas abhaben.“ (Test und Fotos: Oliver Schirg)

(Hinweis: Die Bebilderung der Reportage war leider sehr schwierig, da von den vielen gemachten Fotos FrieslandCampina nur vier frei gab.)

 

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