Hamburger Abendblatt

Archiv für das Tag 'Lebensmittel'

Verwirrend niedlich: Hühnerzucht in Emlichheim

28. Juli 2013

Produkt: Hähnchenbrustfilet. Ort: Emlichheim. Entfernung: 285 Kilometer

AO3A0602So klein, so warm, so flauschig. Während das Küken in meiner Hand hektisch einen Ausweg sucht, schlägt das kleine Herz rasch und spürbar. Mit der Zeit beruhigt sich das Tier, es genießt die Wärme meiner Hand und hockt sich hin. Man müsste schon ein Herz aus Stein haben, dass einem ein zwei Wochen altes Küken nicht ein zärtliches Gefühl entlockt. Wäre da nicht die riesige Halle, gut einhundert Meter tief, künstlich beleuchtet und über 20 Grad warm. Und wären da nicht die mehr als 15.000 Küken, die um mich herum auf dem Hallenboden scharren, aus Miniaturwasserhähnen trinken oder sich aus gelben Körbchen ihr Futter herauspicken.

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Hier geht’s um die Wurst

23. Juli 2013

Produkt: Leberwurst. Ort: Valluhn. Entfernung: 61 Kilometer.

EssenEin klein wenig ist es eine Reise in die Vergangenheit. Das Fleischwerk Edeka Nord in Valluhn, aus dem die Leberwurst stammt, die wir gekauft hatten, liegt unweit des Ortes, wo zu Zeiten der deutschen Teilung der große Grenzkontrollpunkt war. Von Hamburg aus geht es in Richtung Osten, etwas mehr als 60 Kilometer, gleich hinter der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern liegt das Werk in einem Gewerbegebiet.

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70 Kilo Orangen pro Baum

22. Juli 2013

Produkt: Orangen. Ort: Lora del Rio. Entfernung: 2627 Kilometer.

dc_download_6b24ocd4av6l0nroi6r2Orangen? Kenn ich bisher nur aus dem Laden oder vom Wochenmarkt. Doch irgendwo hier, auf dem Feld in Südspanien, sollen sie zu finden sein, die prächtig aussehenden Exemplare, die Cándido Lahoz Garcia mir eben noch in seinem klimatisierten Büro im Werbeprospekt gezeigt hat. Es ist brütend heiß, fast 40 Grad Celsius, als wir übers Feld stapfen. Der Saft der Orangen ist der Deutschen zweitliebstes Getränk, nach Apfelsaft, glaubt man den Statistiken. Demnach trinkt jeder Deutsche pro Jahr im Schnitt 10,4 Liter Orangensaft. Ein Grund mehr zu sehen, woher die Orangen kommen, die wir im Supermarkt gekauft haben.

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Wie die Kuh auf die Schokolade kam

14. Juni 2013

Produkt: Milka-Schokolade. Ort: Lörrach. Entfernung: 816 Kilometer.

AO3A5624Wo nur ist die lila Kuh? Statt Glockenläuten schallt mir Motoren- und Lüfterlärm entgegen, als ich die Produktionshalle für die Milka-Alpenmilchschokolade in Lörrach betrete. Rohre, die aus Wänden kommen, Rohre, die in Wänden verschwinden. Dazu Tanks und sich drehende Walzen, Metalltreppen, hier und da ein Bildschirm, auf dem Zahlen flackern.

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Die Marmeladenkocher

7. Juni 2013

Produkt: Konfitüre „Baseler Schwarzkirsche“. Ort: Bad Schwartau. Entfernung: 77 Kilometer.

SCHWARTAUER WERKE GmbH & Co. KGaA Schwartau Marmeladenwerke„Warum haben Sie denn keine Erdbeermarmelade gekauft?“ Sebastian Schaeffer, Geschäftsführer der Schwartauer Werke, schüttelt den Kopf und lächelt. Schließlich sei doch Erdbeermarmelade der Deutschen liebster süßer Brotaufstrich. Nun, wir hatten bei unserem Einkauf Mövenpick-Marmelade „Baseler Schwarzkirsche“ erworben und eigentlich damit gerechnet, dass diese irgendwo in der Schweiz hergestellt wird. Schließlich ist Mövenpick ein Schweizer Nahrungsmittelunternehmen.

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Haferflocken – ein Frühstück aus Elmshorn

24. Mai 2013

Produkt: Haferflocken. Herkunft: Elmshorn. Entfernung: 36 Kilometer.

Die Decken hängen ein wenig tief, das Fabrikgebäude stammt aus den 20er Jahren. Zwei mächtige Stahlwalzen drehen sich gemächlich in entgegengesetzter Richtung; zwischen ihnen ein kaum sichtbarer Spalt. Ein wenig altertümlich sieht die Maschine aus. Das Rumpeln verstärkt diesen Eindruck. Dabei ist das Ungetüm das Herz der Herstellung der Kölln-Haferflocken. Hier wird das Haferkorn so platt gewalzt, wie wir es vom Essen her kennen.

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Ganz viel irische Seele

13. Mai 2013

Produkt: Butter. Herkunft: Murroe (Irland). Entfernung: 1695 Kilometer.
Wir laufen über eine saftig grüne Wiese. Leicht abschüssig geht es hinunter. In der Mitte der Niederung liegt ein See. „Wenn erst der Hibiskus blüht, dann sieht es hier traumhaft aus“, schwärmt Andrew Gow. Viel Fanatasie bedarf es nicht, sich das vorzustellen. Die gefällige Landschaft, 55 Hektar groß, verbreitet den Charme eines gepflegten Parks. Bäume, Wiesen, der See und in der Ferne eine verwitterte Steinmauer, die Geschichte erahnen lässt.

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Wie zwei Hippies das Eis neu erfanden

24. April 2013

Produkt: Eiscreme. Herkunft Hellendoorn (Niederlande). Entfernung: 346 Kilometer.

EntladezeitenDie an der Pinwand angebrachte Aufforderung an die Lkw-Fahrer ist unmissverständlich. Wer außerhalb der Ladezeiten zwischen 7.30 Uhr und 17 Uhr kommt, muss seinen Laster im sieben Kilometer entfernten Industriegebiet parken. Wer seinen Brummi dennoch auf einer der Straßen rund um die Fabrik abstellt, bekommt von der Polizei einen Strafzettel.

Ich stehe im niederländischen Hellendoorn vor der Fabrik, in der für den europäischen Markt die 24 verschiedenen Eissorten von Ben & Jerry’s produziert werden. Sie liegt nicht – wie so oft bei Unternehmen, die ich in den vergangenen Wochen besucht habe – in einem Gewerbegebiet. Das 2,5 Hektar große Werksgelände passt sich in eine sanfte Flusskehre ein. Gegenüber dem Haupteingang stehen Einfamilienhäuser mit Carports und gepflegten Gärten.

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Auf der Backstraße der Butterkekse

24. April 2013

Produkt: Leibniz-Butterkeks. Herkunft: Barsinghausen. Entfernung: 173 Kilometer.

20130410-AO3A1037Es riecht wie daheim in der Küche zur Weihnachtszeit. Als ich die Halle mit der großen Backstraße betrete, schlägt mir dieser süß-schwere Keksgeruch entgegen. Das Rattern von Rollbändern ist zu hören, ein Zischen, als Dampf durch ein Überdruckventil entweicht. Hier also werden die Leibniz Butterkekse gebacken – die Kekse, die viele Deutsche mit ihrer Kindheit verbinden.

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Backen mit Unterbrechung

29. März 2013

Das Produkt: Meisterbrötchen von Golden Toast. Herkunft: Stockstadt in Hessen. Entfernung: 536 Kilometer.

Am Waschbecken wird es eng. Jeder, der in die große Werkhalle hinein will, muss sich gründlich die Hände waschen. Dann Abtrocknen und mit Desinfektionsmitteln besprühen lassen. Als wir das Nadelöhr passieren wollen, ist die Nachmittagsschicht bei ihren Vorbereitungen. Die Schutzhauben sind obligatorisch, auf den meisten T-Shirts der Mitarbeiter prangt der Schriftzug von „Manpower“, ein bundesweit agierendes Zeitarbeitsunternehmen. Den ganzen Beitrag lesen »